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Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 13 | Freitag 2. April 2021

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Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

Umwelt Ein neues Zuhause

Umwelt Ein neues Zuhause für Kiebitz, Bekassine und Co. Das Natura 2000-Gebiet Nördliches Schweizer Ried in Lustenau ist ein bedeutsames Wiesenbrütergebiet. Maßgeblich dazu beigetragen hat etwa die Schaffung eines Ringbiotops auf einer ehemaligen Ackerfläche im Jahr 2013. Die Ortsgemeinde Au als Grundeigentümerin hat nun ein zweites, noch wesentlich größeres Feuchtbiotop angelegt. Damit wurde ein neuer Lebensraum für Wiesenbrüter wie den Kiebitz und die Bekassine geschaffen und das Europaschutzgebiet zusätzlich aufgewertet“, freuten sich Umweltschutzlandesrat Johannes Rauch, der Auer Ortsgemeindepräsident Rico Kellenberger und Bürgermeister Kurt Fischer mit den anderen Verantwortlichen beim Pressegespräch vor Ort. Paradies für Wiesenbrüter Hegemeister Reinhard Hellmair entwickelte ein ökologisch sehr ausgewogenes Konzept zur Gestaltung und Umsetzung eines „Inselbiotops“. Das Besondere an dieser Brutinsel ist der eigens für den Kiebitz angelegte Acker. Hier wird die Bewirtschaftung speziell an die Brutbiologie dieser bodenbrütenden Art angepasst. Zudem schützt ein ringförmig angelegter Graben die Wiesenbrüter vor unerwünschtem Besuch von Beutegreifern wie Fuchs, Dachs oder Marder. Damit erhalten die Kiebitze endlich eine erste fixe Kinderstube in Vorarlberg. Von den Aufwertungsmaßnahmen profitiert auch die als Nahrungsgast regelmäßig im Gebiet vorkommende Bekassine. Aktuell gibt es keine Brutnachweise in Vorarlberg, günstige Voraussetzungen für eine Wiederetablierung als Brutbestand wären nunmehr geschaffen. Weitere Highlights sind abgeflachte Böschungsbereiche, die für durchziehende Arten wie Kampfläufern, Waldwasserläufern, Goldregenpfeifern geeignete Strukturen zum Rasten und für die Nahrungssuche bieten. Ein Abschnitt des Grabens wurde extra für den im Gebiet erfolgreich brütenden Eisvogel als „Brutwand“ gestaltet, da dieser schillernde Vogel Steilwände zur Anlage seiner Bruthöhlen benötigt. Hervorragende Zusammenarbeit „Wir wollen durch weitere Maßnahmen einen Lebensraum für Die Verantwortlichen sind stolz auf das neugeschaffene Paradies für Wiesenbrüter. (Foto Frederick Sams) 8 Nr. 13 / 21 | Lustenauer Gemeindeblatt

diese Vogelarten schaffen“, so Landesrat Rauch. „Es bietet sich an, das bestehende, bestens bewährte Ringbiotop bzw. die Brutinsel zu erweitern, Brachflächen, Flachgewässer und ausgedehnte Grabenabflachungen zu schaffen. „Durch die Anlage eines zweiten Ringbiotops entsteht in diesem Gebiet ein kleines Paradies für Wiesenbrüter“. Das Land Vorarlberg finanziert dieses Projekt mit rund 70.000 Euro aus dem Naturschutzfonds. Alle Parteien – Grundbesitzer und öffentliche Hand - haben in diesem Projekt hervorragend zusammengearbeitet, freut sich Rico Kellenberger, Präsident der Ortsgemeinde Au. Urs Lenz, der verantwortliche Rietmeister fügt hinzu: „Wir geben der Natur zwei Jahre Zeit, sich ihren Platz zurück zu holen und wir sind gespannt, was und wie es sich entwickelt.“ Obere Mähder unter Schutz gestellt. Vor allem dank großzügiger Extensivierungen in den Schweizer Riedern ist die Biotopfläche in Lustenau seither um mehr als ein Drittel auf rund 8 Prozen Feuchtbiotope haben in Lustenau Tradition Die Gestaltung von Wasserlebensräumen hat in Lustenau bereits Tradition, nicht zuletzt dank der Vorzeigebeispiele der Ortsgemeinde Au. „So konnten allein an der Seelache am Rand des Naturschutzgebietes Obere Mähder im Laufe der Jahre von der Gemeinde insgesamt 18 unterschiedliche Feuchtbiotope angelegt und der benachbarte Gemeindegutshof Heidensand auf Biolandwirtschaft umgestellt werden“ zieht Bürgermeister Kurt Fischer eine erfreuliche Bilanz. „Nicht umsonst gelten die Seelachenbiotope als Amphibienzentrum mit der größten Kammmolchpopulation im gesamten Rheintal. Wir arbeiten seit vielen Jahren Von den Aufwertungen profitiert auch die regelmäßig als Nahrungsgast vorkommende Bekassine. (Foto Heinz Bänninger) der Gemeindefläche gewachsen – fast ein Wunder im dicht besiedelten Rheintal mit über 250.000 Einwohnern!“ Biotopflächenbilanz Lustenau Biotopfläche 1988: 127,8 Hektar Biotopfläche heute: 177,9 Hektar Zuwachs (inklusive Extensivierungsflächen): über 50 Hektar Anteil an der Gemeindefläche: 8 Prozent Der Kiebitz erhält mit dem neuen Großbiotop seine erste fixe Kinderstube in Vorarlberg. (Foto Daniel Leissing) ausgezeichnet mit der Ortsgemeinde Au zusammen. Herzlichen Dank an alle, die zum Gelingen dieses weiteren Leuchturmprojekts beigetragen haben!“ Vorzeigegemeinde bei der Lebensraumaufwertung Auch Umweltgemeinderätin Christine Bösch-Vetter ist stolz auf die Naturvielfalt im ganzen Lustenauer Ried und weiß dazu erfreuliche Zahlen: „Seit Erstellung des ersten Biotopinventars im Jahr 1987 ist Lustenau Vorzeigegemeinde in Sachen Naturschutz und Lebensraumaufwertung. Schon 1989 wurden 60 Hektar wertvolle Streuewiesen im Naturschutzgebiet Gsieg – Der ringförmig angelegte Graben schützt die brütenden Vögel vor Räubern wie Fuchs, Dachs und Marder. (Foto Frederick Sams) Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 13 / 21 9

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