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Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 15 | Freitag 10. April 2020

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Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

ARCHIVALE DER WOCHE Das

ARCHIVALE DER WOCHE Das Team des Archivs präsentiert den Leserinnen und Leser an dieser Stelle wöchentlich ein historisches Dokument oder Objekt. Die 2017 bei Bauarbeiten im Rathaus gefundene Grundsteinlegungsurkunde dokumentiert den Entstehungsprozess des heutigen Lustenauer Rathauses, geht auf die Geschichte unserer Gemeinde ein und spiegelt den Zeitgeist der späten 1950er Jahre wider. 20 Nr. 15 / 20 | Lustenauer Gemeindeblatt

Historisches Archiv Archivale der Woche: Urkundenfund Mit der Serie „Archivale der Woche“ möchte das Team des Historischen Archivs den Leserinnen und Lesern einen Einblick in die Breite der schriftlichen Überlieferung zur Lustenauer Geschichte geben. Gleichzeitig möchte es aber auch veranschaulichen, wie anhand von mitunter unscheinbaren Dokumenten oder Gegenständen die Vermittlung von Geschichte möglich ist. Entscheidungsfindung dazu in Beziehung zur damals noch jungen österreichischen Demokratie zu setzen. Neben einer Beschreibung des Entstehungsprozesses - von der Beschlussfassung zum Bau am 12. Mai 1954 über die Entscheidung der Fund bei Bauarbeiten im Rathaus Im Jahr 2017 wurde das Erdgeschoss des Lustenauer Rathauses grundlegend saniert, um den heutigen baulichen und serviceorientierten Erfordernissen eines Bürgerservices zu entsprechen. Dabei stießen die Bauarbeiter auf die eingemauerte Grundsteinlegungsurkunde, die dem Historischen Archiv zur künftigen Aufbewahrung übergeben wurde. Dort wurde die Urkunde aus dem als Zeitkapsel konzipierten und mit Wachs versiegelten Metallrohr befreit und kann seitdem eingesehen werden. „Die Grundsteinlegung […] erfolgte“, wie dem Text zu entnehmen ist, „am 10. Juni 1956, also im 11. Jahre der zweiten Republik Österreich. “ Ein Neubau war aufgrund des sehr starken Wachstums der Gemeinde notwendig geworden, da das Die Grundsteinlegungsurkunde des Rathauses überdauerte rund 60 Jahre in einem eingemauerten Metallrohr. Wettbewerbsjury im Februar 1955 bis hin zur späteren Vergabe der Bauarbeiten - findet sich auf der Urkunde aber auch die Einbettung in einen größeren historischen Kontext: „Dass Lustenau trotz der durch die beiden Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945 erlittenen großen Verluste an aufbauwilligen jungen Männern und an Volksvermögen heute blühender als je zuvor dasteht, verdankt es der Hilfe Gottes, dem unerschütterlichen Lebenswillen und der jedem gesunden Fortschritt gegenüber aufgeschlossenen, rastlos arbeitenden und aufwärts strebenden Bevölkerung. Möge das neue Rathaus jederzeit ein Symbol der Schaffenskraft und Einigkeit und ein Hort der Freiheit und Gerechtigkeit bleiben!“ Das neue Lustenauer Rathaus kurz nach seiner Eröffnung. (Foto Branz) 1779 – ursprünglich als Schulhaus – gebaute alte Rathaus „zur Bewältigung der […] stark vermehrten Amtsgeschäfte nicht mehr genügen“ konnte. Moderner Bau Für die Planung des neuen Lustenauer Rathauses zeichnen die Architektin Adelheid Gnaiger und ihre Kollegen Paul Götsch und Walter Griss verantwortlich. Das im Jahr 1958 feierlich eröffnete Gebäude steht aufgrund seiner außergewöhnlichen architektonischen Qualitäten seit 2012 unter Denkmalschutz. In den Jahren 1993 bis 1996 wurde es nach den Plänen der Architekturgemeinschaft Erich Steinmayr und Richard Dünser erweitert. Der Zubau, in dem das Bauamt untergebracht ist, wurde mit dem Österreichischen Bauherrenpreis ausgezeichnet. Dem Zeitgeist entsprechend Dem Verfasser des Textes, Bürgermeister Josef Bösch, war es wohl wichtig, den Neubau des Rathauses und die politische Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 15 / 20 21

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