Aufrufe
vor 4 Monaten

Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 17 | Freitag 24. April 2020

  • Text
  • Lustenau
  • Gemeindeblatt
Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

Die Sportmedaillen und

Die Sportmedaillen und Turnerabzeichen von Gottfried Peintner zeugen von seinen sportlichen Erfolgen und seiner Funktionärstätigkeit. Historisches Archiv Archivale der Woche: Nachlass Gottfried Peintner Mit der Serie „Archivale der Woche“ möchte das Team des Historischen Archivs den Leserinnen und Lesern einen Einblick in die Breite der schriftlichen Überlieferung zur Lustenauer Geschichte geben. Gleichzeitig möchte es aber auch veranschaulichen, wie anhand von mitunter unscheinbaren Dokumenten oder Gegenständen die Vermittlung von Geschichte möglich ist. Stickereizeichner und erfolgreicher Sportler Voriges Jahr hat die Tochter von Gottfried Peintner dem Historischen Archiv etliche interessante Stücke aus dem Nachlass ihres Vaters übergeben. Der 1904 geborene Gottfried Peintner war in Lustenau vor allem als begabter Stickereizeichner und als hervorragender Leichtathlet bekannt. Einige interessante Stickerei-Objekte und Dokumente – seine Familie betrieb jahrzehntelang eine Stickerei und sein Schwiegervater war der bekannte Stickereifabrikant Josef Blatter – wurden im Zuge der Übernahme an das S-MAK weitergegeben. Die im Hinblick auf sein sportliches Engagement wertvollen Stücke wurden indes in die Bestände des Historischen Archivs übernommen. Gottfried Peintner war in der Zwischenkriegszeit einer der damals überragenden Lustenauer Leichtathleten und errang für den christlich-sozial geprägten Turnerbund viele Meistertitel in diversen Disziplinen. Sein 1930 erzielter Weitsprungrekord von 7,14 m sollte erst 1964 von einem anderen Vorarlberger Sportler übertroffen werden. Von seinen Erfolgen zeugen die vielen sich im Nachlass befindlichen Sportmedaillen und Turnerabzeichen. Der Ausweis für das Tragen des "Ehrenzeichen der Vorarlberger Turnerschaft in Gold" sowie diverse andere Anstecknadeln sind auf sein späteres Engagement als Sportfunktionär zurückzuführen. 26 Nr. 17 / 20 | Lustenauer Gemeindeblatt

Gottfried Peintner bei seinem Rekordsprung von 7,14 m. (Quelle Peter, Laurin: Sport in Lustenau, 2014) Pläne für Großveranstaltung Im Nachlass dokumentieren zwei von Hand mit Tusche auf Transparentpapier gezeichnete Pläne eine Lustenauer Sportgroßveranstaltung. Der Ortsplan – der wohl den auswärtigen Gästen zur Orientierung dienen sollte und den Weg des damaligen Festumzuges aufzeigt – sowie der Situationsplan für das Reichshofstadion wurden vermutlich von Gottfried Peintner anlässlich des vom Turnerbund im Jahr 1964 ausgerichteten 11. Landesturnfestes erstellt. Die dreitägige Veranstaltung war mit 3.000 Aktiven und 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauern das bis dahin größte Vorarlberger Landesturnfest. Neben den sportlichen Leistungen blieb den Lustenauerinnen und Lustenauern wohl vor allem die Tatsache in Erinnerung, dass am Festabend ein Wolkenbuch das Festzelt unter Wasser setzte. Sport und Politik In der Biographie von Gottfried Peintner zeigt sich auch die oftmals enge Verschränkung von Sport und Politik. Im September 1938 kam es in Lustenau zu einer politischen Verhaftungswelle. Der vormalige Bürgermeister Josef Peintner, ein Bruder von Gottfried Peintner, und der ehemalige Kommandant der Lustenauer Heimwehr, Hermann Hämmerle, wurden nach ihrer Verhaftung vom nationalsozialistischen Regime für über eineinhalb Jahre in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Ebenso erging es dem praktisch zeitgleich in Wien festgenommenen Alt-Landesrat Adolf Hämmerle. Die relativ „rasche“ Entlassung dieser drei Männer im Frühjahr 1940 wurde maßgeblich von Gottfried Peintner betrieben, der dabei auf die Unterstützung seines „Sportfreunds“ Emil Bogdon bauen konnte. Dieser war als Gründer der Lindauer SA mit Heinrich Himmler persönlich bekannt. Situationsplan für eine Großveranstaltung im Reichshofstadion mit genauer Lokalisierung der verschiedenen Wettbewerbsstätten und sonstiger Infrastruktur, vermutlich für das Landesturnfest 1964. Handgezeichneter Plan für eine Großveranstaltung (Tusche auf Transparentpapier) mit genauer Lokalisierung verschiedener Gasthäuser, Festzugsroute und der Kirchen, vermutlich für das Landesturnfest 1964. Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 17 / 20 27

LUSTENAUER GEMEINDEBLATT