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Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 24 | Freitag 18. Juni 2021

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Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

KUNDMACHUNG über die in

KUNDMACHUNG über die in der 7. Sitzung der Gemeindevertretung am 20.05.2021 gefassten Beschlüsse Viele sind gestresst. Mehr als es ihnen gut tut. Sie stehen unter Druck. Unter dem Druck der Verantwortung, unter wirtschaftlichem Druck, unter räumlichem Druck, unter dem Druck der Einsamkeit. „As siend alli diäwa siidi“, hat mir unlängst eine Nachbarin gesagt. Vor gut einem Jahr hat man sich im Lichte der einbrechenden Einnahmen fraktionsübergreifend darüber verständigt, welche Vorhaben im Jahr 2020 umgesetzt werden und welche nicht. Wir mussten nicht lange verhandeln, wir waren uns recht einig wo unser gemeinsamer Fokus liegt. Wie ein Mantra hat man viele Jahre den Satz „Investitionen in die Bildung sind prioritär zu behandeln“, bei jedem Beschluss der mittelfristigen Finanzplanung vor sich hergetragen. In der Krise sind wir einhellig dazu gestanden. Es wurde in die Erweiterung vom Kindergarten Am Schlatt, in die Sanierung des Kindergartens Weiler und in die Vorarbeiten für den Bau des Campus Rotkreuz investiert. Und natürlich haben wir uns weiterhin um die Infrastruktur für Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung gekümmert. Nach den Tiefbauarbeiten konnte in der Grütt- und in der Sandstraße eine Fahrradstraße baulich realisiert werden. Die sogenannte Gemeindemilliarde des Bundes hat uns 2020 durchaus geholfen. Dennoch haben auch uns die Mindereinnahmen getroffen. Natürlich ist es schmerzhaft, wenn Kommunalsteuer und Ertragsanteile ausbleiben. Trotzdem ist Jammer nicht angebracht. Lustenau hat Reserven – oder wie unser Bürgermeister gerne sagt „einen breiten Hinterrücken“, Lustenau kann weiterhin investieren, Lustenau steht finanziell solide da und steht nicht – wie andere Kommunen – mit dem Rücken zur Wand. Das gibt uns die Möglichkeit, die Lehren aus dem vergangenen Jahr zu ziehen und Taten für die Zukunft zu setzen. Sätze wie „Was bin ich froh, dass wir einen eigenen Garten haben, wir hätten uns sonst schon lange gegenseitig (ich ersetze das Wort, das sie wirklich gesagt haben durch „wir wären uns in die Haare geraten“) “, habe ich in den vergangenen Lockdowns von vielen Eltern gehört. Die Hälfte der Lustenauerinnen und Lustenauer hat keinen eigenen Garten. Sie ist auf öffentliche Räume angewiesen. Diese Hälfte ist nicht repräsentativ in der Gemeindevertretung vertreten. Nie ist Naherholung so sehr im Fokus gestanden wie im vergangenen Jahr. Viele haben das Ried, den Alten Rhein, die zahlreichen Wäogli neu schätzen gelernt. Das Fahrrad hat einen nie dagewesenen Boom erfahren – derart leergekaufte Fahrradgeschäfte hat niemand von uns für möglich gehalten. Die Leute sind spazieren gegangen, etwas was man in Lustenau innerorts – wenn man nicht gerade einen Kinderwagen oder einen Rollstuhl vor sich herschiebt - bisher eher nicht gemacht hat. Und vielen sind dabei Sachen aufgefallen, die man beim Vorbeifahren mit dem Auto so gar nicht wahrnimmt. Lustenau verändert sich. Es wird an ganz vielen Orten gebaut. Mancherorts durchaus ansprechend und visionär, mancherorts jedoch – ja, eh – die Geschmäcker sind verschieden - brachial und ohne Gespür. Ich habe das Gefühl, dass wir uns als Gemeindevertretung diesem Wandel viel deutlicher widmen sollten. Dass sich Lustenau verändert, dass es dichter wird, dass wir mehr werden, dass es urbaner wird – das sind Fakten, die lassen sich nicht aufhalten. Sie lassen sich aber gestalten. Ja, das ist teilweise neues Terrain, aber es formt das Leben in unserem Ort für lange Zeit. So ist es nicht trivial, wo die neue Brücke über den Rhein nach Au stehen wird. Ihr Standort beeinflusst das Leben in Lustenau die nächsten 50 Jahre. Es ist auch nicht trivial, ob wir es zulassen, dass wir durch eine Autobahn vom Ried abgetrennt werden und in der Hoffnung auf Entlastung in Wahrheit mit einer deutlichen Mehrbelastung an Verkehr eingedeckt werden. Wenn man als Gemeinde wirtschaftlich erfolgreich bleiben will, muss man nicht nur attraktiv für Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen sein, sondern auch ein attraktives Umfeld für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bieten, das wird im Nachklang von Corona noch deutlicher werden. War früher das höchste Gehalt, ein Haus, ein Auto ausschlaggebend, so verändert sich das. Fachkräfte sind mobil und wählerisch. Sie wollen Lebensqualität und die beste Bildung für ihre Kinder. Chancenreichster Lebensraum für Kinder sein zu wollen, darf nicht zu einer Worthülse verkommen, das muss in jeder Hinsicht mit Leben erfüllt sein. Wir sind gut beraten uns vor rathaus Rathausstraße · A-6890 Lustenau · T +43 5577 8181-1200 · gemeindeamt@lustenau.at Rathausstraße 1 6890 Lustenau T +43 5577 8181-1200 gemeindeamt@lustenau.at 28 Nr. 24 / 21 | Lustenauer Gemeindeblatt

KUNDMACHUNG über die in der 7. Sitzung der Gemeindevertretung am 20.05.2021 gefassten Beschlüsse jeder politischen Entscheidung die Frage zu stellen, welche Auswirkung diese auf den Chancenreichtum unserer Kinder hat. Wir haben heute zwei Anträge auf der Tagesordnung, die direkten Einfluss auf die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen haben. Das ist zum einen die Spielplatzverordnung, in der die Regeln für Spielplätze, Parks und den Jugendplatz erweitert werden sollen. Der zweite Antrag ist der Antrag meiner Fraktion auf Schaffung von Pop-up-Freiräumen. Ich denke, wir alle sind uns einig in der Analyse, dass das vergangene Jahr kein einfaches für die Kinder und Jugendlichen war. Viele ihrer Bedürfnisse sind – so wie auch bei anderen Gruppen der Bevölkerung – zu kurz gekommen. Während alle impfwilligen Erwachsenen bereits geimpft sind oder einen Termin in Aussicht haben, sieht das für die Kinder noch nicht so aus. Sie sind jetzt die besonders vulnerable Gruppe, die es in den nächsten Monaten zu schützen gilt. Von den 24.000 Lustenauern und Lustenauerinnen sind 4000 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 15 Jahren. Kinder und Jugendliche in Lustenau haben zu wenig Platz zur Verfügung: Schon vor der Pandemie wies das Spielraumkonzept der Gemeinde – also das Konzept, in dem festgelegt wird, wie viel Räume für Kinder und Jugendliche - Spielplätze, Jugend-/Skaterplätze brauchen – ein Defizit von 28.400 m² auf. 28.400 m². Um sich das vorstellen zu können: Das ist eine Fläche wie 15 x der Spielplatz Moosbach. Ja, ich weiß, es wurden zwischenzeitlich da und dort gute, nein sehr gute Verbesserungen gemacht. Man denke an das Spielplätzli im Rheindorf oder die Schulplätze VS Kirchdorf und VS Rheindorf. An allen drei genannten Orten wurde die Qualität verbessert. Zweifelsohne ist das ein Erfolg. Aber in Fläche gerechnet ist das Defizit größer geworden, bei gleichzeitigem Wachstum der Bevölkerung. Das Spielraumkonzept zeigt genau auf, wo Spielräume fehlen, es zeigt auf, welche Qualitäten gefordert sind. Ich zeichne drei Phasen auf. Das Ziel, chancenreichster Ort für Kinder zu sein, ist unser Langfristziel. Das Spielraumkonzept liefert im Bereich der Spielräume – rathaus denn für das Langfristziel gibt es natürlich zahlreiche Unterziele – den Handlungsrahmen bis 2025 und damit das mittelfristige Ziel. Daneben gibt es die kurzfristigen Ziele. Sie bieten Handlungsspielräume, um auf Aktuelles zu reagieren. Auf Nutzungsdruck, auf die Jahreszeit, auf Einschränkungen durch rote Zonen, etc. Sie bieten auch Handlungsspielräume für temporäre Lösungen und Versuche – Rankweil zeigt es gerade mit einem Pumptrack – für 1 Woche vor. Das W*ORT wird im Sommer den einen oder anderen Ort im Rahmen des Sommerprogrammes ungewohnt bespielen. In Schwarzenberg haben ein paar engagierte Eltern 4 Baumstämme für einen Sandkasten zusammengeschraubt und damit einen zusätzlichen öffentlichen Spielraum für ihre Kinder geschaffen. Und, ich weiß schon, das mag man nicht so gerne, aber eigentlich wäre hier auch Raum für das Ausprobieren. Lilli Lička, eine hier nicht allen ganz unbekannte Professorin für Landschaftsplanung, schreibt „Im Freiraum drückt sich die Verfasstheit der Gesellschaft aus.“ Hier wird deutlich, wie miteinander umgegangen wird. Spielregeln, geschriebene und ungeschriebene Gesetze bestimmen unser Verhalten. Im Freiraum drückt sich Kultur aus. Urbane Freiräume sehen so aus, wie es die Planungskultur, die Gestaltungskultur, die politische Kultur vorgeben. Im Freiraum drückt sich ökonomische Wertigkeit aus. Größe und Zuschnitt lassen erkennen, welche Bedeutung der Erholung, dem Lebensraum, dem Menschen beigemessen wird.“ Ich habe eingangs meine Nachbarin mit den Worten „As siend alli diäwa siidi“ zitiert. Und ich zitiere noch einmal Lilli Lička. „Im Freiraum drückt sich die Verfasstheit der Gesellschaft aus.“ Nun – was sagen die öffentlichen Plätze in Lustenau – oder das Fehlen dieser – über den Zustand, die emotionale Verfassung unserer Gesellschaft aus? Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn wir über Verbote auf Spielplätzen diskutieren, statt den Kindern den Spielraum zu geben, den sie brauchen? Ich glaube, die Kinder und Jugendlichen haben es nicht verdient, dass sie – kaum, dass das Aufatmen für die Erwachsenen beginnt - mit zusätzlichen Verboten belegt werden. Rathausstraße · A-6890 Lustenau · T +43 5577 8181-1200 · gemeindeamt@lustenau.at Rathausstraße 1 6890 Lustenau T +43 5577 8181-1200 gemeindeamt@lustenau.at Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 24 / 21 29

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