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Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 25 | Freitag, 24. Juni 2022

Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

Viel Abwechslung, kurze

Viel Abwechslung, kurze Wege, selbstständiges Arbeiten Ihre Vielseitigkeit hat sie schon in unterschiedlichsten Berufen unter Beweis gestellt. Nach Stationen im Handel, im Gastgewerbe und im Handwerk hat sich Kathia Hämmerle dem Sozialen zugewandt und sich nach der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Bregenz und der Kathi-Lampert-Schule in Götzis zusätzlich zur Pflegehelferin und Ordinationsassistentin ausbilden lassen. Seit August letzten Jahres ergänzt sie das Team des Mobilen Hilfsdiensts Lustenau und betreut in diesem Rahmen auch das Demenzcafé. Gerade angesichts deiner unterschiedlichen Berufserfahrungen: Was schätzt du an deinem aktuellen Job beim MOHI besonders? Kathia Hämmerle: Ich habe einen Job gesucht, den ich neben meinen Ausbildungen machen kann, sprich, der mir Flexibilität zusichert und ortsnah ist. Viele meiner Dienste kann ich mit dem Rad erledigen, außerdem kenne ich Ärzte und Therapeuten und habe auch diesbezüglich „kurze Wege“. In den Absprachen mit meinen Klienten bin ich außerdem sehr selbstständig, hier redet mir niemand drein. Vor allem die 1:1 Betreuung schätze ich sehr. Das ist ein super Schlüssel – gerade im Vergleich zu Institutionen, wo man sich oft um sechs Personen gleichzeitig kümmern muss. Mit welcher Haltung gehst du in die dir anvertrauten Haushalte? Mit der Haltung, dass man den Leuten etwas zutrauen und ihnen nicht alles abnehmen darf. Wenn sie fürs Schuhe-Anziehen zehn Minuten brauchen, dann sollen sie diese Zeit bekommen. Es muss ja ein schreckliches Gefühl sein, zu wissen, ich kann es eigentlich, aber ich bin zu langsam dafür. Auch beim Sprechen oder beim Spazierengehen geht es darum, sie zu ermutigen, diese Dinge zu trainieren. Allen ist klar, dass du nicht als Putzfrau kommst, der Auftrag ist vielmehr, die Klienten zu unterstützen, bei dem, was sie brauchen. Konkret bei? Konkret bei unterschiedlichsten Aufgaben: kochen, einkaufen, Wäsche machen, ja, auch mal putzen und für Ordnung sorgen, manchmal im Garten mithelfen ... und eine meiner Klientinnen möchte einfach nur, dass ich da bin. Ein ganz wichtiger Punkt ist das Reden, bei den meisten kommt ja den ganzen Tag sonst niemand mehr. Schulung und Weiterbildung Ein vierteiliger und kostenloser Kurs zu „Ethik“, „Kommunikation“, „Gesundheit/Krankheit“ und „MOHI-Philosophie“ ist parallel zum Einstieg in den Beruf zu absolvieren. Erste-Hilfe-Kurse, Fachvorträgen wie etwa Validation, Supervision oder auch Teamabende ergänzen das vielseitige Schulungsangebot. 20 Nr. 25 / 22 | Lustenauer Gemeindeblatt

»Ich habe einen Job, der mir Flexibität, kurze Wege und selbstständiges Arbeiten ermöglicht.« Kathia Hämmerle bringt Erfahrung aus unterschiedlichen Berufen in die Arbeit beim Mobilen Hilfsdienst mit. (Foto Miro Kuzmanovic) Du hast die letzten Jahre viele Ausbildungen absolviert. Wie schaut es mit den beruflichen Perspektiven aus? Ich hätte einige Ideen und Projekte im Kopf, gerade in Bezug aufs interdisziplinäre Arbeiten. Den MOHI sehe ich da als eine gute Basis, um Projektansätze aufzugreifen. Meine Zukunft liegt ganz sicher im Gestalten und Weiterentwickeln von Projekten, da bin ich gerne von der Pike auf mit dabei. Wohl auch, weil der MOHI eine wichtige kommunale Dienstleistung ist? Ja für rund 330 Klientinnen und Klienten ginge es ohne den MOHI zuhause nicht mehr. Ganz abgesehen von der Entlastung der Angehörigen. Es gäbe sicher noch mehr Menschen, die den MOHI brauchen. Viele trauen sich nicht, um diese Unterstützung anzufragen oder schämen sich. Immerhin fahren wir nicht mit einem MOHI-Auto vor – so sehen zumindest die Nachbarn nicht, dass es Unterstützung braucht. Es ist eben doch noch die Generation, der es peinlich ist, Hilfe anzunehmen. Ich sage immer, dafür bin ich ja da, dafür werde ich bezahlt. Das hilft. Du betreust auch jeden Dienstagnachmittag das Demenzcafé ... ... ja, das wird sehr gerne besucht. Wir setzen uns gemeinsam an einen Tisch und bei Kaffee und Kuchen wird geredet. Im Grunde gibt es kein Programm, aber durchaus viele ausbaufähige Ideen: gemeinsam miteinander zu jassen, stricken, klöppeln, kochen, sticken usw. Dein Fazit nach bald einem Jahr MOHI? Ich mag die Abwechslung dieses Jobs sehr und das selbstständige Arbeiten, das auch Spontanes zulässt. Und dass man so wahnsinnig viel zurückbekommt, egal, ob die Menschen reden können oder nicht. Die Dankbarkeit ist tatsächlich ein Teil des Lohns. Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 25 / 22 21

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