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Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 25 | Freitag, 24. Juni 2022

Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

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Im Lustenauer Rheinvorland stehen nun mehrere der symbolischen Grenzsteine. (Foto Dietmar Walser) Kultur Feierliche Eröffnung des Hörwegs „Über die Grenze“ Tausende Flüchtlinge versuchten zwischen März 1938 und Mai 1945 über Vorarlberg die rettende Schweiz zu erreichen: Verfolgte Jüdinnen und Juden, politische Gegner:innen der Nazis, Deserteure, Kriegsgefangene, Zwangs- und Fremdarbeiter:innen aus besetzten Ländern Europas. Bereits im Sommer 1938 begann die Schweiz die Grenzen abzuriegeln. Fluchthelfer:innen auf beiden Seiten der Grenze konnten manchen noch ein Entkommen ermöglichen, aber es gab nun nur noch illegale Wege in die Freiheit. 52 Hörstationen mit Fluchtgeschichten von 1938 bis 1945 Entlang der Radroute Nr. 1, von Bregenz bis Partenen, und an ausgewählten Orten in der Schweiz und in Liechtenstein markieren beim jüngsten Projekt des jüdischen Museums symbolische Grenzsteine 52 Hörstationen zu Flüchtlingsschicksalen, und laden per QR-Code dazu ein, sich auf die Geschichte des jeweiligen Ortes einzulassen, innezuhalten und die Umgebung aufmerksam wahrzunehmen. In Lustenau führt die Route vorbei an Grenzbrücken, auf denen sich Schicksale entschieden, zum Rohr und zum Alten Rhein, wo Flüchtlinge und ihre Fluchthelfer den Weg in die Schweiz suchten. Es wird erzählt von einem Wiener Schlagerkomponisten und einem Lustenauer Deserteur, von einem in der Schweiz geborenen Heimatlosen, der am Rhein seinen Häschern in die Hände fällt und von geheimen Verhandlungen über die ungarischen Juden, auf der Eisenbahnbrücke nach St. Margrethen, von den Kanonen der Schweizer Festung Heldsberg, die genau auf Lustenau gerichtet sind und vom Flüchtlingslager Diepoldsau, nur ein paar hundert Meter jenseits der Grenze. 8 Nr. 25 / 22 | Lustenauer Gemeindeblatt

Als Plattform für diese Erkundung der Grenzlandschaft im Rheintal und in den Bergen dient die Website www.ueber-die-grenze.at mit einer interaktiven Radkarte. Das Projekt wurde im Zuge einer Kooperation mit dem Historischen Archiv der Marktgemeinde Lustenau von Seiten der Gemeinde unterstützt. Grenzschutz beim Rohr (Foto Historisches Archiv/Schlachter) Vielfältige Biografien spannend erzählt Weiters erzählt „Über die Grenze“ von Odysseen durch ganz Europa und einheimischen Schmugglern, die zu Fluchthelfern werden, von Liebenden, die aus dem Gefängnis ausbrechen und Kriegsgefangenen die sich verirren, von protestierenden Schülerinnen und Verhören durch die Gestapo, von Abenteuern am Geburtstag, von gefährlichen Wegen über den Rhein und die Berge – von menschlichem Mut, Behördenwillkür und Widerstand. Digitale Präsentation Die Erfahrungen der Flüchtlinge spiegeln sich in persönlichen Briefen aus der Zeit der Verfolgung, Dokumenten der deutschen und Schweizer Behörden, in Erinnerungen von Zeitzeugen und Fotografien von Schauplätzen. Aus ihnen entsteht ein Bild der damaligen Ereignisse aus vielen Perspektiven – zu hören, zu lesen, zu sehen. Unterwegs mit dem Fahrrad zwischen See und Bergen, auf beiden Seiten des Rheins, beiden Seiten einer Grenze, die noch heute zugleich trennt und verbindet. Hörweg „Über die Grenze“ Eröffnung SONNTAG, 3.7., 13.30 UHR Geführte Fahrradsternfahrt zum Festakt nach Hohenems Treffpunkt: Museum Rhein-Schauen, Höchster Straße 4 Schlossplatz Hohenems 15 Uhr: Musik, Die Bauernfänger 16 Uhr: Reden und Performance 17.15 Uhr: Musik, Salingari Sextett Gastronomie und Foodtrucks „Das Rohr“ am Alten Rhein war einer der bekanntesten Flutpunkte entlang der Grenze. (Foto Dietmar Walser) Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 25 / 22 9

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