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Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 29 | Freitag 17. Juli 2020

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Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

Der Radfahrerverein

Der Radfahrerverein Rheindorf bei einem Radfest in Berneck in den 1920er Jahren. (Foto unbekannt) Kultur „Das Erschrecken von Fußgängern ist stets zu vermeiden.“ Die grundlegende Entwicklung des Fahrrads in seiner heutigen Form war in den 1890er Jahren weitgehend abgeschlossen. Prägendste Meilensteine in der Entwicklung des Fahrrads war die Ablösung des Hochrads durch das „Niederrad“ oder auch „Sicherheitsniederrad“ und die Einführung von Luftreifen und Fahrradschlauch. Massen-Fortbewegungsmittel Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Fahrrad mit der Gangschaltung ergänzt. Die Nutzung des Fahrrads änderte sich innerhalb von sehr kurzer Zeit. Ursprünglich als Zeitvertreib oder eine Art „Sportmittel des Bürgertums“ (Anne-Katrin Ebert) nur einer begüterten Schicht vorbehalten, wurde das Fahrrad um die Jahrhundertwende ein alltägliches Massen-Fortbewegungsmittel. Siegeszug des Fahrrads Den Siegeszug des Fahrrads belegen auch die Gründungen zahlreicher Radfahrervereine im ganzen Land. In Lustenau bildeten sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts zwei Radfahrervereine, der Lustenauer Radfahrerklub 1898 und der Radfahrerverein Rheindorf-Lustenau 1899. Im Jahr 1907 folgten der Radfahrerverein „Blitz“ Kapelle[n]feld-Lustenau und der Radfahrerverein Rheinschwalbe, Lustenau, der im südlichen Teil Lustenaus angesiedelt war. 20 Nr. 29 / 20 | Lustenauer Gemeindeblatt

Radfahrordnung sorgte für Spott Offenbar waren 1901 bereits so viele Fahrräder auf Lustenaus Straßen unterwegs, dass sich die Gemeinderäte Josef Hollenstein (später Bürgermeister von 1919-1927) und Gottfried Hofer bemüßigt fühlten, eine Radfahrordnung zu verfassen. Diese „Fahrordnung für Radfahrer“ dürfte in der Bevölkerung allerdings eher Belustigung hervorgerufen haben. Sie fand Erwähnung in einem Artikel der Faschingszeitung „All Heil“ des Radfahrerklubs, in welchem man sich über gegenständliche Ordnung selbst, aber auch über die Verfasser Josef Hollenstein und Gottfried Hofer lustig machte. Die Gemeindevertretung reagierte empfindlich auf den Spott und sprach der Faschingszeitung „ihre Mißbilligung“ aus. Es „sei nun Gemeinderath Hollenstein in einer Weise angegriffen worden, wie man das von anständigen Leuten nicht erwarten hätte können“. Bedauerlicherweise ist die Faschingszeitung im Archiv nicht erhalten. Ein Hochradfahrer bei einem Faschingsumzug in Lustenau in den 1930er Jahren. (Foto Rudolf Fröwis) Ein Radfahrer auf der Kirchstraße in Lustenau im Jahr 1907. (Foto Stengel & Co) Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 29 / 20 21

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