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Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 36 | Freitag 4. September 2020

Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

Begehbares Kunstwerk Am

Begehbares Kunstwerk Am 3. September eröffnet die Ausstellung von Nana Mandl im DOCK 20 - Kunstraum und Sammlung Hollenstein. Die Künstlerin ist bekannt für ihre großflächigen Wandarbeiten. Nun richtet sie den Blick zum ersten Mal auf den Boden: Für die Ausstellung in Lustenau hat sie einen über 100 m² großen Teppich entworfen und mit Motiven aus ihrem digitalen Bildarchiv bedrucken lassen. Für dein Projekt hast du den Titel „dropping distance“ gewählt – fast schon provokativ in Zeiten von „social distancing“ und Abstandsregeln, die bis tief hinein in unser privates Umfeld greifen. Obwohl die Idee zum Teppich schon letztes Jahr entstanden ist, hast du das genaue Layout dafür und die Motive vor allem während des Corona-Lockdowns entworfen. Inwiefern hat die Corona-Krise deine Arbeit beeinflusst? Genauer gesagt ist der erste Entwurf schon 2018 entstanden. Aber der Lockdown und diverse Maßnahmen haben natürlich nicht nur mein persönliches Leben, sondern auch mein Schaffen sehr beeinflusst. Dabei ist das Thema von Nähe und Distanz zwischen den Menschen, vor allem aber auch zwischen Betrachterin und Kunstwerk, noch präsenter geworden. Mir war es wichtig, genau in dieser Zeit einen Raum zu öffnen, der als Gegenpol zu Abstand und sterilen Oberflächen fungiert. Also, eine Ausstellung zu machen, die im wahrsten Sinne des Wortes zu befühlen und begreifen ist. Ich glaube, es ist nun wichtiger denn je, haptische Erfahrungen zu machen. Schüttelnde Hände, Fläschchen, Teletubbies – woher kommen die Motive? Haben sie eine persönliche Bedeutung für dich? In einer Ecke des Teppichs steht die Frage „What’s on your mind?“ - bedeutet das, dass alle Symbole auf diesem Teppich etwas verschlüsselt deine Gedanken darstellen und sich der Betrachter anschließend seine eigenen dazu machen soll? Dazu muss ich als Erstes sagen: Kunst ist immer persönlich. Es wäre eine Lüge, zu behaupten, Über Nana Mandl Nana Mandl (geb. 1991 in Graz, lebt in Wien) studierte an der Kunsthochschule Berlin Weissensee und schloss ihr Kunststudium an der Universität für angewandte Kunst Wien mit dem Diplom ab. Sie wurde 2018 mit dem Bildrecht Solo Award für ihre hervorragende Solopräsentation im Rahmen der viennacontemporary 2018 ausgezeichnet und 2020 für den Kapsch Contemporary Art Prize nominiert. 20 Nr. 36 / 20 | Lustenauer Gemeindeblatt

» Das Wundervolle an diesem Beruf ist das unendliche Suchen und Finden von immer wieder neuen Ausdrucksformen.« Nana Mandl gehört zu den Shootingsstars der jungen österreichischen Kunst. die ausgewählten Motive hätten nichts mit mir zu tun. Die verwendeten Bilder kommen großteils aus meinem eigenen digitalen Archiv, das ich mir über die Jahre angelegt habe sowie aus dem Internet. Dabei handelt es sich natürlich um Bilder, die mich aus diversen Gründen persönlich, politisch oder ästhetisch ansprechen. In Verwendung müssen sie nicht direkt auf etwas Bestimmtes Bezug nehmen. Ich mag die Idee, dass aus diesem bunten Mix dann unendlich viele neue Geschichten gesponnen werden können. Kunstwerke für den Boden zu gestalten, sind nicht die typischen Aufgaben einer Malerin. War dies eine neue Herausforderung für dich? Warum? Würdest du sagen, dass du deinen Stil bereits gefunden hast? freischaffende Künstlerin. Das Wundervolle an diesem Beruf ist ja das unendliche Suchen und Finden von immer wieder neuen Ausdrucksformen ohne jegliche mediale Begrenzungen. Ich habe bestimmt auch schon eine visuelle Sprache gefunden, in der ich mich gut ausdrücken kann, aber wenn ich daran denke, was alles noch möglich ist, sehe ich mich noch ganz am Anfang. Bezüglich des Teppichs: Nachdem ich mich in den letzten Jahren viele Wandinstallationen gemacht habe, war es naheliegend, auch die Bodenfläche einmal wie eine weiße Wand zu nutzen. Für mich liegt die Herausforderung eher darin, einen spannenden Raum zu schaffen, der, ganz unklassisch für einen White Cube, dazu einlädt, es sich gemütlich zu machen und gleichzeitig in Interaktion mit den Kunstwerken zu treten. Obwohl ich meinen Zugang zur Kunst sicherlich durch die Malerei gefunden habe, sehe ich mich nicht als Malerin, sondern vielmehr als Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 36 / 20 21

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