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Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 48 | Freitag 3. Dezember 2021

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Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

Historisches Archiv Beno

Historisches Archiv Beno Vetter – Lehrer, Politiker, Autor und Ehrenringträger Beno Vetter starb am 25. Dezember 1971 im Alter von 89 Jahren. Durch sein Wirken als Lehrer, Politiker und Autor prägte er die Marktgemeinde wesentlich. Sein Schreibtisch samt Schreibmaschine, zwei Ölgemälde, die ihn und seine Ehefrau Paulina darstellen, werden wie noch weitere Objekte aus seinem Nachlass im Historischen Archiv verwahrt. Darüber hinaus hat das Gemeindearchiv natürlich auch viele seiner Schriften, wie etwa die Autobiografie „Menschen am Strom“, in seine Bestände aufgenommen. Ein Blick auf das Leben von Beno Vetter verdeutlicht, welchen tiefgreifenden Veränderungen die Lebensrealitäten der Menschen in Lustenau in den vergangen eineinhalb Jahrhunderten unterworfen waren. Dieser Artikel soll deshalb, hauptsächlich basierend auf einigen Zitaten aus der von Beno Vetter im Jahr 1968 verfassten Autobiografie „Menschen am Strom“, den Autor selbst zu Wort kommen lassen. Wie er schon eingangs festhält, wurde er 1882 in eher „einfache Verhältnisse“ hineingeboren: „Die Stätte an der ich […] ins Leben eintreten durfte, war kein Schloss, auch keine vornehme Villa, nicht einmal ein ordentliches Bauernhaus, sondern eines jener hundsalten Tatschhäuslein mit ebenerdiger Küche, Stube und Gaden, sowie zwei Dachkammern, wie sie damals in dieser großen Bauerngemeinde am Rhein die Mehrzahl bildeten.“ Sein Vater, „[…] bis zur Heirat nur Landwirt, errichtete [...] in den siebziger Jahren, wie die meisten Lustenauer, einen Hand[stick]maschinenbetrieb, betreute aber noch nebenbei zwei Kühe und bebaute seinen Kartoffel- und Türkenacker.“ Der Todestag von Beno Vetter (23.9.1882-25.12.1971) jährt sich heuer zum 50. Mal. 16 Nr. 48 / 21 | Lustenauer Gemeindeblatt

Von seinen 13 weiteren Geschwistern erreichten nur vier Buben und ein Mädchen das Erwachsenenalter. Als Kind erlebte Beno Vetter die verheerenden Rheinüberschwemmungen der Jahre 1888 und 1890 mit und beschreibt diese auch Jahrzehnte später noch sehr plastisch: „[… Da] hörten wir es tosen, und durch die Kammerwände kam das gurgelnde Geräusch des einströmenden Wassers. [… Bald] rannte die Mutter herein, riss uns aus den Betten und forderte uns auf, die Stiege hinaufzugehen, während sie noch rasch Bettzeug und Kleider zusammenraffte. […] Die ganze Nacht hörten wir Vater und Brüder im Haus herumgeistern, vernahmen die Rufe der Nachbarn und vergegenwärtigten uns, wie sie bis an die Schultern im kalten Wasser Pfähle einrammten, um daher schwimmendes Holz oder anderes Strandgut sicherzustellen.“ Nach Abschluss der Volksschule verdiente Beno Vetter seinen Lebensunterhalt in der Stickereibranche. Sein Vater verstarb als er rund 15 Jahre alt war und erst mit 27 Jahren begann er in Feldkirch bei den Schulbrüdern erneut zur Schule zu gehen. 1914 legte er die Lehrbefähigungsprüfung ab und begann in der Volksschule Kirchdorf zu unterrichten. Vom Kriegsdienst blieb Beno Vetter zwar verschont, betont aber mit leichter Ironie die Härten seines Lebens während des Ersten Weltkrieges: „Lange Zeit durfte ich wegen Einrückung mehrerer Kollegen sogar zwei Klassen unterrichten. Daneben war mir, weil meine gewalttätig geführten Lagerkämpfe der Zwischenkriegszeit und die Folgen des „Anschlusses“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich: „Ich gehörte zwar nicht zu jenen, die in der Nacht des Umbruches in Arrest genommen wurde, aber meine Tage als Lehrer waren gezählt, und im September 1938 wurde ich nach 26jährigem Schuldienst ohne Gehalt entlassen. […] Dennoch stand ich mit vielen Gleichgesinnten auf der schwarzen Liste, stets gewärtig, in die Hände der Gestapo zu fallen, bis dann, viel schneller als erwartet, das Tausendjährige Reich zu Ende ging. […]" Nach dem Ende der Zweiten Weltkrieges kehrte Beno Vetter noch für einige Jahre, nun als Direktor, in das Schulwesen zurück, verfasste etliche historische Romane, deren Handlung in Lustenau spielt und wurde sieben Jahre vor seinem Versterben, gemeinsam mit dem Heimatdichter Hannes Grabher, mit der Verleihung des Ehrenrings der Marktgemeinde Lustenau geehrt. Bis heute wohl unvergessen bleibt sein Engagement für das Ferienheim Oberbildstein und das Kulturleben in Lustenau. Beno Vetter mit Mitarbeiter:innen des Ferienheims Oberbildstein. (Foto unbekannt) sämtlichen Brüder im Felde standen, die Betreuung unserer Landwirtschaft überantwortet. Zudem kamen täglich Kriegerfrauen mit der Bitte, ich möge ihnen ein Gesuch um Zuerkennung des gesetzlichen Unterhaltsbeitrages verfassen.“ Zeit seines Lebens engagierte sich Beno Vetter politisch sehr stark für das christlich-soziale Lager und bekleidete auch wichtige politische Ämter. Lebhaft beschreibt er die teilweise Das Gemeindearchiv verwahrt etliche interessante Objekte aus dem Nachlass von Beno Vetter. Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 48 / 21 17

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