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Lustenauer Gemeindeblatt Nr. 8 | Freitag 26. Februar 2021

Amts- und Anzeigenblatt der Marktgemeinde Lustenau | Erscheint jeden Freitag, Erscheinungsort und Verlagspostamt: 6890 Lustenau

Das Haus

Das Haus Rheindorferstraße 6 wurde 1884 als Wohnhaus mit Sticklokal und Stadel für Hermann Scheffknecht erbaut. (Fotos Lukas Hämmerle) Historisches Archiv Bauerbe Stickerhäuser – Die „goldene Ära der Handstickmaschinen“ Bis zur Jahrhundertwende erhöhte sich die Zahl der in Lustenau betriebenen Handstickmaschinen stark. Weiterhin stand gut ein Drittel der bereits rund 4.000 in Vorarlberg aufgestellten, derartigen Maschinen in Lustenau, die meisten davon in kleinen Familienbetrieben. Bereits bestehende Häuser wurden häufig durch den Anbau eines Sticklokals adaptiert (z. B. Forststraße 16). Die damals neu errichteten Häuser hatten das Sticklokal im Erdgeschoss integriert, meist einen angebauten Stadel sowie oft auch einen Stall (z. B. Rheindorferstraße 6), da viele Sticker mit dem Betrieb einer kleinen Landwirtschaft immer noch über ein „zweites Standbein“ verfügten. Charakteristisch für die damals und auch später gebauten „Stickerhäuser“ ist ein höheres Erdgeschoss mit vielen großen Fenstern. Die Wohnverhältnisse der im Obergeschoss lebenden Stickerfamilien waren oft nur sehr bescheiden. Die Generierung eines guten Einkommens ging bei den selbstständigen Lohnstickern mit extrem langen Arbeitszeiten, einer gewissen Selbstausbeutung und oft auch mit Kinderarbeit einher. Von 1883 bis 1888 wurden jährlich rund vier heute noch bestehende Gebäude mit Stickereibezug errichtet. Dieser kleine Bauboom endete abrupt mit den verheerenden Überschwemmungen von 1888 und 1890. Die Ausstellung „Bauerbe Lustenauer Stickerhäuser – Eine Bestandsaufnahme“ dokumentiert über 400 heute noch existierende Gebäude mit Stickereibezug, darunter viele sogenannte „Stickerhäuser“ aus der Lustenauer Gründerzeit. Anhand hochwertiger Fotografien der Bauobjekte sowie Reproduktionen von alten Bauplänen wird deutlich, wie die in Lustenau lange Zeit absolut dominante Stickereiwirtschaft in den letzten 150 Jahren Architektur, Ortsbild und damit einhergehend die Lebenswelten in der Gemeinde prägte. 14 Nr. 08 / 21 | Lustenauer Gemeindeblatt

Ausstellungszeitraumes weitere im Zuge des Dokumentationsprozesses entstandene Fotoarbeiten präsentiert. Bauerbe Im Plan des 1895 in der Rheinstraße 2 für Johann Hofer erbauten Wohnhauses ist im Erdgeschoss ein Sticklokal eingezeichnet. Die aktuellen Architektur-Fotografien von Lukas Hämmerle und Max Fetz treten in der Ausstellung in Dialog mit historischen Dokumenten und Bauakten. Das aufwendige Display für die Ausstellung wurde von den Bühnenbildnern Valentin Hämmerle und Jan Klammer erarbeitet. Das Rahmenprogramm zur Ausstellung setzt sich coronabedingt mit einem Fokus auf Veranstaltungen im Freien zusammen und wird laufend den aktuellen Auflagen angepasst. Jeweils tagesaktuelle Infos finden Sie online unter www.lustenau.at/dock20. Der hochwertig produzierte, über 500 Farbabbildungen enthaltende Katalog zur Ausstellung ist um 32,– Euro u. a. im DOCK 20 und im BOTTA erhältlich. Einen vertiefenden Blick zum Thema Stickerei vermittelt die Ausstellung „Eine kurze Geschichte der Vorarlberger Maschinenstickerei“ in den Räumlichkeiten des Vereins „Stickerei – Museum. Archiv. Kommunikation (S‐MAK)“ in der Hofsteigstraße 21, wo Fotograf Lukas Hämmerle während des Lustenauer Stickerhäuser Ausstellung DOCK 20, Kunstraum und Sammlung Hollenstein Pontenstr. 20 www.lustenau.at/dock20 Öffnungszeiten: FR, SA, SONN- UND FEIERTAGE, 15 BIS 19 UHR Programm: 12.03.2021, 17 UHR Führung durch die Ausstellung 13.03.2021, 15 UHR „Stickerhäuser“-Spaziergang Nur mit Anmeldung (begrenzte Teilnehmerzahl, Absagen möglich) T +43 5577 8181-4230, archiv@lustenau.at Das „Tatschhaus“ in der Forststraße 16 wurde vermutlich bereits vor 1808 erbaut und 1895 durch den Bau eines Sticklokals erweitert. Lustenauer Gemeindeblatt | Nr. 08 / 21 15

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